Wie viele andere neuapostolische Gemeinden weltweit nahm auch Asch aus dem Bezirk Ulm an der Partnerschaftsbörse „Unsere Gemeinde im Schuhkarton“ auf dem Internationalen Kirchentag (IKT) 2014 teil. Wyk auf Föhr im Bezirk Flensburg wurde eine der Ascher Partnergemeinden. Zum Jahrestag des IKT fand nun ein erstes Treffen auf der schönen Nordseeinsel statt.

Als die Ascher Schuhkarton-Botschafter vor einem Jahr zum IKT nach München fuhren, hatten sie zwar einen aufwendig gestalteten und liebevoll gefüllten Asch-Karton im Gepäck, aber noch keinen Plan, welchen Gemeindekarton sie mit nach Hause nehmen sollten. Man war sich einig: wir lassen uns von unseren Herzen leiten. Und das sollte die richtige Entscheidung sein. Die vier Kinder im
Schuhkarton-Team votierten einstimmig für den Karton aus Föhr, der mit Sand, Seehunden, Schiffchen und herzlichen Zeilen auf die Insel einlud. Er wurde fröhlich in Besitz genommen. Eine Liebe auf den ersten Blick für alle Beteiligten.

Kontakte zwischen den Gemeinden wurden rasch per eMail und Begrüßungspaket geschlossen, aber einen gemeinsamen Gemeindeausflug zu organisieren, gestaltete sich zunächst schwierig, da die Anfahrt von der Schwäbischen Alb bis zur Fähre in Dagebüll mit neun Stunden recht lang ist, vor allem für die Senioren der über hundert Mitglieder umfassenden Gemeinde Asch. So
entschlossen sich die zwei Botschafter-Familien, den Pfingsturlaub 2015 in Föhr zu verbringen und den ersten persönlichen Kontakt herzustellen. Es wurden unvergessliche Urlaubstage.

Wer von Föhr berichtet, kommt nicht umhin, einige Zeilen über die bezaubernde Insellandschaft zu schreiben. Föhr wird auch die „grüne Insel“ genannt und lebt von Kontrasten und einer einzigartigen Natur: auf der Seeseite das endlose Wattenmeer Nordfrieslands, Ebbe und Flut, der weite Blick auf die Inselwelt mit Amrum, Sylt und den Halligen, eine steife Brise, das Kreischen der Möwen, Seeschwalben und Austernfischer in den Dünen … Auf der Landseite hinter dem Deich saftige Felder und Wiesen mit
gemütlich grasenden Pferden, Schafen und Kühen, hübsche Friesendörfer, reetgedeckte Häuser, Idylle pur.

Trotz allem Naturerleben: Den Höhepunkt erlebte die Ascher Reisegruppe im Kreis der neuapostolischen Gemeinschaft. Zunächst traf man sich am Pfingstsonntag zur weltweiten Übertragung des Gottesdienstes mit Stammapostel Jean-Luc Schneider aus Lusaka, Sambia, in der neuapostolischen Kirche in Wyk. Das Ascher Gemeinde-Banner begrüßte die Gäste bereits beim Betreten des Kirchengebäudes. Ein herzliches Willkommen durch Priester Rüdiger Bechtel, den Vorsteher der Gemeinde Wyk, folgte. Nach dem
Gottesdienst lud Priester Bechtel alle Anwesenden zum Gemeindeabend ein, der einmal im Monat stattfindet. 

Dieser „Snak mit Snack“ wurde eine innige, wohltuende Begegnung mit den Wykern und der erweiterten Gemeinde Wyk, zu der viele neuapostolische Feriengäste zählen, die zu Wyk eine ganz besondere Bindung haben und jedes Jahr mit Föhrweh in die Gemeinde „nach Hause“ kommen. Die Ascher trafen Urlauber aus Berlin, Hagen, Bietigheim-Bissingen, Kaufbeuren oder Kassel an. Dazu muss man wissen, dass die neuapostolische Gemeinde Wyk im Kern knapp dreißig Mitglieder hat, in den Ferienmonaten aber sonntags bis zu 180 Gottesdienstbesucher zählt. Wyk ist definitiv eine Gemeinde mit weitreichenden Föhrbindungen in die neuapostolische Welt. Priester Bechtel - Vorsteher, Organist und Chorleiter in Personalunion – trägt mit seiner Familie eine große Aufgabe. Er wird zwar von drei Diakonen unterstützt, diese arbeiten aber auf den Nachbarinseln und sind sonntags nur vierzehntägig im Wechsel auf Föhr. Deshalb ist er bisweilen auf das Einspringen von urlaubenden Amtsträgern angewiesen und dankbar. Und so kann es schon einmal vorkommen, dass ein Bruder in Sommerhosen hinter dem Altar steht oder im Hawaii-Hemd beim Abendmahl die Hostien verteilt.

Während des Gemeindeabends wurden viele Informationen und Erlebnisse ausgetauscht. Die Gemeinde Asch stellte sich vor, ebenso Wyk. Spannend und ergreifend waren die Erinnerungen einer 87jährigen Schwester an die entbehrungsreichen Anfänge der
Gemeinde unter Paul Braunschweig, dem späteren Vorsteher, und dessen Familie in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Die Wyker Chronik, die 1979 in der Jahresschrift „Kalender“ des Friedrich-Bischoff-Verlages abgedruckt wurde, gibt ein eindrucksvolles
Zeugnis davon. Die isolierte Lage auf der Insel und auch die Friesen machten es den Gemeindegründern aus den Masuren nicht leicht – ähnlich erging es auch den ersten neuapostolischen Aschern mit den Älblern. Das sollte nicht die einzige Parallele sein, die an diesem Abend gezogen wurde.

Alle Schwierigkeiten konnten jedoch unter großen Opfern und mit Gottes Segen gemeistert werden. 1949 wurde Wyk mit 37 Mitgliedern eine eigenständige Gemeinde und blühte durch den Zustrom von Kurgästen in den Sommermonaten auf. In der ersten Kirche, die 1960 bezogen wurde, gab es nur 80 feste Stühle, oft aber 350 Gottesdienstbesucher. Dann war Stuhlrücken und Sandwich-Taktik angesagt. Die Kinder saßen auf den Altarstufen und Fensterbänken, eine Föhr-Erinnerung der besonderen Art. Schließlich wurde der Kirche ein Zelt angegliedert und mit dem Volksempfänger nebenbei die umliegende Wohngegend beschallt und missioniert, soweit die Schilderungen von Priester Bechtel und weiteren Gemeindemitgliedern, darunter Manfred Asmussen, einer der früheren Vorsteher. 1986 wurde dann die jetzige, größere Kirche in der Süderstrasse bezogen. Bei der Einweihung wurden 500 Besucher gezählt. Freudig berichtete Priester Bechtel auch vom Gottesdienst des damaligen Bezirks- und späteren Stammapostels Wilhelm Leber, der die Inselgemeinde mit sieben Aposteln 2003 besuchte.

In den letzten Jahren verzeichnete die Gemeinde einen zahlenmäßigen Rückgang durch berufliche Abwanderung von Mitgliedern, wenig Zuzug und den demographischen Wandel. Dennoch: Neuen Zuwachs hat die „erweiterte“ Gemeinde Wyk jetzt mit Asch erhalten. Wenn auch nicht jeder auf die Insel wird fahren können, im Gedankenaustausch, im Gebet und im lebendigen Nord-Süd-Dialog ist und bleibt man sich ganz nah.


Den Besuchern aus Asch fiel die Abreise schwer. Gemäß alter Föhrer Tradition verabschiedete Priester Bechtel die Urlauber im Hafen an der Fähre - eine unvergessliche und herzstärkende Überraschung um 6:00 Uhr morgens. Welche segensreichen Föhrbindungen doch so ein Schuhkarton schaffen kann!